Montag, 06.02.2012

Der Rettungshund


Wie Eingangs schon erwähnt wurde, kann man die ernsthafte RH-Arbeit nicht mit einem Sport vergleichen, da man keine Pokale und Preise abstauben kann, sondern es geht einzig und allein darum, Menschenleben zu retten. Eine Freiwillige Feuerwehr mit der Rettungshundearbeit zu vergleichen, wäre der bessere Ansatzpunkt.

Der ausgebildete Rettungshund durchsucht gemeinsam mit seinem Rettungshundeführer als Team das Einsatzgebiet nach in Not geratene Menschen ab. Im Gegensatz zu einem Fährtenhund oder Mantrailer benötigt er dafür keinen Fährtenabgang oder Kleidungsstück des Vermissten, sondern stöbert mit hoher Nase und vor allem freilaufend nach der Witterung von Menschen. In vielen Fällen kommt es vor, dass der RH jeden Menschen anzeigt, der sich in seinem Suchgebiet aufhält. In Not geratene Menschen strömen zwar einen anderen Geruch aus, als ein normaler Spaziergänger, aber es ist selten möglich, diesen spezifischen Geruch zu trainieren.
Ein RH kann auf unterschiedliche Art anzeigen, wenn er eine Person gefunden hat. Die verbreiteteste Methode ist der klassische Verbeller, aber immer häufiger werden auch Freiverweiser oder Bringsler ausgebildet.
Die beiden letzteren Methoden verlaufen lautlos und der Hund kehrt zu seinem HF zurück, um ihm auf seine antrainierte Art zu zeigen, dass er jemanden gefunden hat.

Der Freiverweiser „pendelt“ zwischen der Person und seinem HF, bis die Distanz überwunden ist. Dabei zeigt er seinen HF deutlich an, dass er eine Person gefunden hat. Diese Anzeigevarianten sind vielfältig und nicht vorgeschrieben. Der HF muss seinen Hund hierbei nur gut lesen können. Der Bringsler arbeitet mit Halsband, an dem ein walzenförmiges Stück aus Holz oder Leder befestigt ist. Hat er dann eine Person gefunden, nimmt er dieses „Bringsel“ in den Fang und kehrt damit zu seinem HF zurück. Der Hundeführer hat nun die Möglichkeit, den Hund weiter pendeln zu lassen oder er lässt sich von ihm an der Leine zu der Person führen.

Jede Anzeigemethode hat seine Vor- und Nachteile. Der Verbeller könnte Schockopfer oder von Natur aus ängstliche Menschen zusätzlich in Angst versetzen, allerdings braucht er die Strecke nicht mehrfach zu laufen. Ebenso wird er am Opfer verharren, bis sein HF dazu kommt, selbst, wenn die Person sich vom Fundort weg bewegt.

Ein Freiverweiser oder Bringsler verschrecken die Personen nicht durch ihr Bellen, aber es könnte sein, dass ein in Not geratener Mensch ein Lichtblick verspürt, wenn ein Hund in seiner Nähe auftaucht, dieser ihm aber genommen wird, wenn der Hund lautlos wieder verschwindet.
Zusätzlich läuft der Freiverweiser oder Bringsler die Strecken mehrfach ab, besonders, wenn sich die Person vom ersten Fundort entfernt, muss er möglicherweise neu angesetzt werden. Beide Anzeigearten sind übrigens in der Trümmersuche wegen der Unfallgefahr für Hundeführer (Einsturzgefahr) oder Hund (am Halsband hängen bleiben) nicht zugelassen.

Daher ist es erforderlich, dass ein Rettungshund dazu in der Lage sein muss, ausdauernd und über weite Strecken zu laufen. Er muss entweder über Futter oder über Beutespiele motivierbar, gut sozialisiert und wesensfest sein. Auch in der Körpergröße müssen Abstriche gemacht werden.
Der Rettungshund sollte weder zu groß/schwer/ noch zu klein sein.
So ist der früher oft fotografierte Bernhardiner mit seinem Fässchen um den Hals heutzutage meist nicht mehr in der Lage, die weiten Strecken zu laufen, da er dafür von seinem Gewicht von oft über 80 kg nicht die Kondition hat.
Leider ist auch ein zu kleiner Hund von seiner Konstitution her nicht fähig, weite und unwegsame Strecken zu bewältigen. Zu kurze Beine oder Nasen sowie lang gezüchtete Rücken macht es vielen Rassen fast unmöglich, die anstrengende Arbeit zu bewältigen.
Und wo hier Rassen angesprochen werden...ein Rettungshund muss nicht reinrassig sein oder eine Ahnentafel haben.

Dass ein Rettungshund gut im Gehorsam stehen muss, bleibt ausser Frage, allerdings soll er auch über den gewollten Ungehorsam verfügen. Denn hat er eine Person gefunden, soll er sich nicht mehr so leicht abrufen lassen. Er soll zu der Person laufen, diese anzeigen und dort bleiben.


Es gibt unterschiedliche Sparten in der Rettungshundearbeit:

Flächensuche:
Der Hund sucht naturnahes Gebiet (Wälder, Felder, Parks, Friedhöfe,…) nach Menschen ab, die sich dort verlaufen haben oder die verunglückt sind. Häufige Einsätze sind die Suche nach suizidgefährdeten oder orientierungslosen Personen, vermissten Kindern und die Suche nach Schockopfern (nach Unfällen) oder verunglückten Wanderern.

Trümmersuche:
Der Trümmerhund ist der bekannteste Rettungshund, weil über ihn oft nach Erdbeben im Ausland berichtet wird. Aber auch hierzulande wird der Trümmerhund eingesetzt, z. B. nach Flugzeugabstürzen, Zugkatastrophen oder Gasexplosionen.
Der Trümmersuchhund muß nicht nur gute Sucharbeit leisten, sondern auch dazu in der Lage sein, sich sicher und geschickt auf schwierigen Trümmerlagen bewegen zu können.

Lawinensuche:
Der Lawinenhund kommt besonders in Skigebieten häufig zum Einsatz. Er sucht die Leute, die vom Schnee begraben wurden und zeigt diese häufig durch Graben an.
Der berühmteste Lawinenhund ist Barry, der Bernhardiner. Er soll im Laufe seines Lebens 42 Menschen das Leben gerettet haben. Allerdings sahen die Bernhardiner von damals dem heutigen Bernhardiner nicht sehr ähnlich. Heute ist er zu schwer und zu träge, um so eine Arbeit zu verrichten. Übrigens: Das der Bernhardiner ein Fässchen um den Hals trug, ist ein Märchen.

Wasserortung:
Der Wasserortungshund kann kein Leben mehr retten. Er fährt meist in einem Boot und sucht nach der Witterung ertrunkener Menschen, die an die Wasseroberfläche steigt.
Da die Witterung nicht gerade nach oben steigt, sondern durch Temperaturunterschiede und Strömungen abgetrieben wird, zeigt der Hund selten die genaue Lage des Ertrunkenen an. Dennoch ist der Wasserortungshund eine wertvolle Hilfe bei der Suche nach Ertrunkenen, denn die Anzeige der Hunde liefert zumindest einen Hinweis auf das Vorhandensein und die ungefähre Lage des Ertrunkenen.

Mantrailing:
Der Mantrailer ist ein Hund, der auch in der Stadt eingesetzt werden kann. Er benötigt einen "Abgang", also einen Punkt, an dem die Person sich sicher aufgehalten hat. Dann bekommt er eine "Geruchsprobe". Dieser Witterung folgt er dann quer durch die Straßen, bis er die Spur verliert (weil die Person in einen Bus gestiegen ist) oder die Person gefunden hat.
Es gibt nur sehr wenige gute Mantrailer in Deutschland, denn diese Sparte wird noch nicht sehr lange ausgebildet.

Copyright © M. Polter (BRH-RHS Pinneberg) und M. Schmidt (RHS Ems-Jade)
Inspiriert durch einen Text von M. Polter/BRH-RHS Pinneberg

Â